Automatisierung des Monats März

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Home Assistant offene Fenster erkennen – meine beste Automatisierung für mehr Sicherheit

Ich bin nach Hause gekommen und habe etwas gesehen, das eigentlich nicht passieren sollte:
Ein Fenster war offen – im Erdgeschoss. Und niemand war zuhause.

Gerade wenn man sich intensiv mit Smart Home beschäftigt, ist das genau der Moment, in dem man merkt:
Das lässt sich besser lösen.

Genau daraus ist diese Automatisierung entstanden.

In diesem Beitrag zeige ich dir Schritt für Schritt, wie ich in Home Assistant eine Lösung umgesetzt habe, die mich zuverlässig warnt, wenn ich das Haus verlasse und noch Fenster offen sind – und zwar dynamisch, ohne starre Gruppen und ohne Wartungsaufwand.


Warum klassische Lösungen oft nicht funktionieren

Viele setzen Automatisierungen so um:

  • Fenster einzeln prüfen
  • mehrere Bedingungen hintereinander
  • manuelle Pflege bei neuen Geräten

Das Problem dabei:

Das Ganze skaliert nicht.
Jedes neue Gerät bedeutet zusätzliche Arbeit.
Und unterschiedliche Anforderungen lassen sich nur schwer abbilden.

Ich wollte eine Lösung, die automatisch funktioniert, sich selbst erweitert und langfristig wartungsarm bleibt.


Die Lösung: Labels statt Gruppen

Der entscheidende Unterschied in meinem Setup ist der Einsatz von Labels.

Statt feste Gruppen anzulegen, vergebe ich meinen Sensoren einfach ein Label, zum Beispiel:

Fenster

Damit kann ich später alle relevanten Sensoren dynamisch abfragen, ohne sie einzeln definieren zu müssen.



Wichtig:
Der Name muss exakt so auch im Template verwendet werden.


Der Trigger: Haustür als Auslöser

Die Automatisierung startet genau in dem Moment, in dem sie gebraucht wird:

Wenn ich das Haus verlasse.

Das erkenne ich über den Türsensor an der Haustür.


Trigger-Konfiguration

  • Zustand: geschlossen → geöffnet
  • Gerät: Haustür

Die zentrale Logik: Dynamisches Template

Jetzt kommt der wichtigste Teil.

Ich prüfe alle Entitäten mit dem Label „Fenster“ automatisch. D.h. , als Bedingung dient, dass tatsächlich auch eines der Fenster geöffnet ist.


{{ expand(label_entities('Fenster'))
| selectattr('state', 'eq', 'on')
| list | count > 0 }}

Was passiert hier genau

  • label_entities(‚Fenster‘) holt alle Sensoren mit diesem Label
  • expand() erweitert die Liste
  • selectattr filtert nur geöffnete Fenster
  • count > 0 stellt sicher, dass nur bei Bedarf ausgelöst wird

Der große Vorteil:
Neue Fenster werden automatisch berücksichtigt, ohne dass du etwas anpassen musst.


Benachrichtigung mit konkreten Fenstern

Ich bekomme nicht nur eine Warnung, sondern direkt eine Liste der offenen Fenster.


{{ expand(label_entities('Fenster'))
| selectattr('state', 'eq', 'on')
| map(attribute='name')
| list | join(', ') }}

alias: "Benachrichtigung: Offene Fenster beim Verlassen"
description: >-
  Sendet eine Push-Nachricht, wenn die Haustür geöffnet wird und noch Fenster
  (Label: Fenster) offen sind.
triggers:
  - trigger: state
    entity_id:
      - binary_sensor.haustur_eg_contact
    to:
      - "on"
    from:
      - "off"
conditions:
  - condition: template
    value_template: |-
      {{ label_entities('Fenster') 
               | expand 
               | selectattr('state', 'eq', 'on') 
               | list | count > 0 }}
actions:
  - action: notify.mobile_app_iphone_tobias
    metadata: {}
    data:
      title: Fenster noch offen!
      message: |-
        Folgende Fenster sind noch auf:         
        {{ 
        label_entities('Fenster') 
        | expand             
        | selectattr('state', 'eq', 'on')             
        | map(attribute='name')             
        | list | join(', ') 
        }}
mode: single

Ergebnis

Die Nachricht enthält konkret die Namen der offenen Fenster, zum Beispiel:

„Folgende Fenster sind noch offen: Küche, Wohnzimmer, Büro“



Companion App einrichten

Für die Benachrichtigung nutze ich die Home Assistant Companion App.

Vorgehen:

  1. App installieren (iOS oder Android)
  2. Mit Home Assistant verbinden
  3. Gerät erscheint automatisch als Ziel für Benachrichtigungen

Alternativ kannst du auch andere Geräte nutzen, zum Beispiel Media Player oder Sprachassistenten.


Testen und Debugging

Ich teste Automatisierungen grundsätzlich vor dem produktiven Einsatz.


Vorgehen

  1. Entwicklerwerkzeuge öffnen
  2. Zustand eines Sensors manuell ändern
  3. Automatisierung auslösen


Warum diese Lösung so gut funktioniert

Diese Automatisierung hat sich bei mir im Alltag absolut bewährt.


Vorteile

  • dynamisch
  • wartungsarm
  • skalierbar
  • flexibel erweiterbar
  • sauber strukturiert

Was ich bewusst vermeide

  • statische Gruppen
  • harte Verdrahtung einzelner Sensoren
  • komplexe und unübersichtliche Automationen

Erweiterungsmöglichkeiten

Die Lösung lässt sich leicht ausbauen:

  • nur prüfen, wenn niemand zuhause ist
  • Verzögerung einbauen
  • Integration in Alarmanlage
  • Sprachausgabe
  • Anzeige im Dashboard

Mein nächstes Projekt

Mein aktuelles Home Assistant System ist über Jahre gewachsen.

Das führt dazu, dass sich viele Altlasten angesammelt haben:

  • nicht mehr genutzte Automationen
  • alte Variablen
  • unnötige Komplexität

Deshalb plane ich

Ein komplett neues Setup – ohne Backup.

Ziel ist ein sauberer Neustart mit:

  • klarer Struktur
  • minimaler Komplexität
  • besserer Wartbarkeit

Vorgehen

  • paralleles System aufsetzen
  • schrittweise Migration
  • bestehende Geräte weiter nutzen

Wenn dich das interessiert, schreib gerne „#Umzug“ in die Youtube Kommentare.

Home Assistant Präsenz­erkennung mit dem Bayesian Sensor – So denkt dein Smart Home in Wahrscheinlichkeiten

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Einleitung

Kennst du das Problem, dass Home Assistant manchmal „denkt“, du bist nicht zu Hause – obwohl du gerade gemütlich auf der Couch sitzt?
Oft liegt das daran, dass ein einzelner Sensor (z. B. dein Handy im WLAN) den Ausschlag gibt. Ist der Akku leer oder das WLAN kurz aus, geht Home Assistant davon aus: niemand zu Hause!

Genau hier kommt der Bayesian Sensor ins Spiel. Er arbeitet nicht mit starrer Logik, sondern mit Wahrscheinlichkeiten. Damit wird deine Präsenz­erkennung so zuverlässig wie nie zuvor.

In diesem Beitrag zeige ich dir Schritt für Schritt, wie du den Bayesian Sensor in Home Assistant einrichtest, konfigurierst und sinnvoll in deine Automatisierungen einbindest.


Was ist der Bayesian Sensor?

Der Bayesian Sensor (oft auch „Bayes-Sensor“ genannt) ist eine Integration in Home Assistant, die auf dem Bayes’schen Wahrscheinlichkeitsprinzip basiert.
Das klingt erst mal nach Statistik, ist aber unglaublich nützlich: Der Sensor kombiniert verschiedene Zustände (z. B. WLAN-Verbindung, Tür geöffnet, Bewegung erkannt) und berechnet daraus eine Gesamtwahrscheinlichkeit, ob du zu Hause bist oder nicht.

Das Entscheidende: Du kannst jedem Sensor eine eigene Gewichtung geben.
So denkt dein Smart Home nicht mehr in „Ja/Nein“, sondern in „Wie wahrscheinlich ist es, dass jemand da ist?“

Beispiel:

  • WLAN ist verbunden → +20 %
  • Companion App meldet „Zuhause“ → +30 %
  • Haustür wurde geöffnet → +10 %
  • Bewegung im Flur → +15 %

➡️ Ab einer bestimmten Schwelle (z. B. 60 %) wird der Zustand auf „anwesend“ gesetzt.


Warum Wahrscheinlichkeiten besser sind als Logik

Die klassische Logik („UND“ / „ODER“) in Home Assistant ist anfällig für Störungen.
Wenn du zum Beispiel folgende Bedingung nutzt:

„Nur wenn WLAN und Companion App beide ‘Home’ melden, gilt Anwesenheit als wahr“

…dann reicht ein kleiner WLAN-Aussetzer – und dein ganzes System glaubt, du bist weg.
Lichter gehen aus, Heizung wird abgesenkt, und du wunderst dich, warum alles dunkel wird.

Mit dem Bayesian Sensor passiert das nicht.
Er „denkt“ wie ein Mensch und gewichtet jede Information nach ihrer Verlässlichkeit.


Einrichtung des Bayesian Sensors in Home Assistant

🧭 Hinweis: Du findest die Integration unter
Einstellungen → Geräte & Dienste → Integration hinzufügen → Bayesian Sensor

Ich zeige dir hier die wichtigsten Schritte an einem Beispiel für die Präsenz­erkennung.


Grundwahrscheinlichkeit festlegen

Zuerst definierst du, wie wahrscheinlich es generell ist, dass du zu Hause bist.
Wenn du z. B. werktags 8 Stunden arbeitest, kannst du sagen:

Grundwahrscheinlichkeit : 40 % , dass ich zu Hause bin

Die Wahrscheinlichkeitsschwelle habe ich auf 60% gelegt. D.h. wenn diese Schwelle überschritten wird, gilt der Zustand „zu Hause“ .


Beobachtungen (Observations) hinzufügen

Jetzt kommen deine Sensoren ins Spiel.
Jede Beobachtung bekommt zwei Werte:

  • prob_given_true: Wahrscheinlichkeit, dass der Sensor „an“ ist, wenn du da bist
  • prob_given_false: Wahrscheinlichkeit, dass der Sensor „an“ ist, obwohl du nicht da bist

Hier ein Beispiel für die Companion App:

🧩 Damit sagst du: Wenn mein iPhone auf „home“ steht, bin ich mit 95 %iger Sicherheit zu Hause.


WLAN-Sensor hinzufügen

WLAN-Verbindungen sind nützlich, aber nicht immer zuverlässig (z. B. bei iPhones im Sleep-Modus).
Ich nutze in meinem Setup Unifi, du kannst aber genauso gut die FritzBox-Integration oder einen Ping-Sensor verwenden.

Beispiel-Template (mit 10-Minuten-Check):

{% set wlan = states('device_tracker.unifi_default_54_eb_e9_bd_03_13') %}
          {% set last_upd = as_timestamp(states.device_tracker.unifi_default_54_eb_e9_bd_03_13.last_updated, 0) %}
          {% set age = as_timestamp(now()) - (last_upd or 0) %}
          {{ wlan == 'home' or (age < 10) }}


Türkontakt als zusätzlicher Indikator

Wenn du nach Hause kommst, öffnest du normalerweise eine Tür.
Das kannst du clever nutzen, um die Wahrscheinlichkeit weiter zu erhöhen:

{{ (as_timestamp(now()) - as_timestamp(states.binary_sensor.haustur_eg_contact.last_changed, 0)) < 120 }}

Dadurch berücksichtigt der Sensor Türaktivität nur in den letzten zwei Minuten – perfekt für das Szenario „Nach Hause kommen“.


Live-Test & Feinabstimmung

Nachdem du alles eingerichtet hast, kannst du den Zustand in den Entwicklerwerkzeugen prüfen.
Die Entität zeigt dir:

Wenn du z. B. dein WLAN deaktivierst, sinkt der Wert leicht – bleibt aber über 0.6, solange andere Sensoren „Zuhause“ melden.

So erreichst du endlich ein stabiles Verhalten, auch bei kleinen Aussetzern.


Erweiterte Anwendungen

Der Bayesian Sensor kann weit mehr als nur Präsenz­erkennung.
Ein paar Ideen, wie du ihn nutzen kannst:

  • Nachtmodus aktivieren, wenn:
    • keine Bewegung mehr erkannt wird
    • alle Media Player aus sind
    • bestimmte Lichter aus sind
  • „Nicht zu Hause“-Modus, wenn:
    • niemand mehr aktiv ist
    • Tür längere Zeit geschlossen bleibt
    • Bewegungsmelder inaktiv sind

Dadurch erhältst du fließende Zustände, die viel realistischer wirken als reine Logik.


Kombination mit Automatisierungen

Du kannst den Bayesian Sensor wie jeden anderen Binärsensor in Automationen nutzen:

alias: Licht ausschalten bei Abwesenheit
trigger:
  - platform: state
    entity_id: binary_sensor.tobias_zuhauses_bayes
    to: 'off'
action:
  - service: light.turn_off
    target:
      area_id: wohnzimmer


Tipps für dein Setup

✅ Starte mit 2–3 Beobachtungen und erweitere schrittweise
✅ Teste Änderungen über die Entwicklerwerkzeuge
✅ Achte auf realistische Gewichtungen (WLAN nie zu hoch gewichten)
✅ Nutze Templates, um zeitbasierte Bedingungen (z. B. „letzte 10 Minuten“) einzubauen
✅ Lies die Wahrscheinlichkeiten aus und beobachte den Verlauf über ein paar Tage


Fazit – Warum der Bayesian Sensor so stark ist

Der Bayesian Sensor ist für mich einer der unterschätztesten, aber mächtigsten Sensoren in Home Assistant.
Er ermöglicht eine flexible, menschlich anmutende Logik – ohne komplizierte Node-RED-Flows oder YAML-Monster.

Ich verwende ihn mittlerweile für:

  • Präsenz­erkennung
  • Nachtmodus
  • Energiesteuerung (z. B. „Wahrscheinlichkeit, dass jemand gleich heimkommt“)
  • und Szenarien mit mehreren Personen

👉 Probiere es aus – du wirst schnell merken, wie stabil deine Automatisierungen werden.

Schreib mir gerne in die Kommentare, wofür du den Bayesian Sensor nutzt oder welche Kombinationen bei dir besonders gut funktionieren.


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